Blog

Die Making-ofs meiner aktuellen Projekte DIE REPORTERIN und RUBY. 
Hier berichte ich jeden Sonntag, wie sich die Schreibarbeit entwickelt. Und manchmal schreibe ich auch über ganz andere Themen.

4. Dezember 2022: Weihnachtsmarketing

„Probsts Mantra ‹Die Lesenden dürfen sich nie langweilen› setzt er brillant um.“ – Der Bücherchecker.

Das ist meine Weihnachtswerbung auf Facebook. Wenig weihnächtlich? Wenig originell? Kann sein. Aber für einmal kopiere ich einfach die grossen Verlage. Die präsentieren auch nur ein Buch und schreiben einen kernigen Satz dazu.

Ich finde: Buch sieht gut aus, Satz ist kernig. Und der ist nicht einmal erfunden, sondern vom Buchkritiker, eben vom Bücherchecker.

Das Weihnachtsgeschäft ist für den Buchhandel extrem wichtig. Je nach Standort der Filiale wird hier richtig Umsatz gebolzt. Schnell noch ein Buch für Tante oder Onkel Sowieso und ab zur Weihnachtsfeier. Und was für den Buchhandel wichtig ist, ist auch für den Autoren oder die Autorin wichtig. Also Leute: kaufen, kaufen, kaufen. Und schenken, schenken, schenken.

Ein bisschen plump, was?

Machen wir es nun doch noch ein wenig origineller:

Nächstes Jahr gehen wir wieder auf Lese-Reise. Sie findet am 17. und 18. Juni 2023 statt. Wir fahren ins Appenzellerland. Wir werden auf den Hochhamm wandern. Also dorthinauf, wo grosse Teile des Buchs «Lebenslust» spielen. Und wo Jonas Haberer fast das Zeitliche segnet. Das ist eine kurze Wanderung und gut zu bewältigen.

Dann besuchen wir meinen Verlag und erfahren von den Profis, wieviel Arbeit hinter einem Buch steckt …

Am zweiten Tag wandern wir zum mysteriösen Chindlistein und zur Hexenwiese. Beides ganz wichtige Schauplätze in «Lebenslust». Und sehr, sehr mystisch …

Das wird wieder eine richtig tolle Reise. EUROBUS, der offizielle Veranstalter, ist noch an der Arbeit. Feststeht aber schon, dass wiederum Christian Siegenthaler unser Chauffeur sein wird. Mal gucken, wie er die engen Strässchen im Appenzellerland meistert … grins.

Weitere Infos gibt es demnächst.

So eine Reise ist schon origineller, was? Und ich bin ein bisschen stolz darauf, diese „Lese-Reisen“ quasi erfunden zu haben …

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen zweiten Advent

27. November 2022: Die berühmten drei ... Sätze!

Seid Ihr Liebhaber*innen richtig dicker Schmöker? Menschen, die tausendseitige Romane mit grossem Vergnügen lesen, soll es tatsächlich geben. Allerdings gibt es wenige Verlage, die noch solche Bücher anbieten. Die Branche hat sich irgendwie auf ein Standartmass von 250 bis 450 Seiten geeinigt. Ich habe in einer Studie gelesen, dass vor allem Leser*innen von Fantasy-Bücher dicke Bücher lieben. Liebesromane sollten dagegen eher kurz sein. Krimis, Thriller … ? Na ja, da gibt es schon auch dicke Dinger, sind aber eher die Ausnahme.

Philipp, bring’s auf den Punkt!

Natürlich.

Facebook hat mir letzte Woche empfohlen, nur noch Posts mit höchstens drei Sätzen zu veröffentlichen: «Untersuchungen haben gezeigt, dass Follower eher mit Beiträgen interagieren, die höchstens 3 Sätze haben.»

Facebook muss es wissen. Facebook weiss schliesslich alles. Wie alle anderen Internetkanäle. Wobei ich mich frage – Achtung, Klugscheisser: Kann man mit Beiträgen interagieren? Oder interagiert man nicht eher mit Leuten, die Beiträge schreiben?

Ach, egal.

Das waren schon wieder viel mehr als drei Sätze.

Und jetzt habe ich keine Freunde und keine Follower mehr … Also tschüss, Ihr Lieben, wünsche Euch noch einen schönen Sonntag!

So, für alle die noch hier sind, erzähle ich ein bisschen aus dem Nähkästchen. Facebook hat natürlich nicht unrecht. Dazu braucht es aber keine Untersuchungen von Facebook, das wissen Profi-Journalisten und PR-Schreiberinnen und Autor*innen längst. Deshalb gibt es ja zu jedem Artikel eine kurze Zusammenfassung des Textes. Den sogenannten Lead. Er besteht aus zwei, drei Sätzen und fasst den Artikel zusammen. Bei Büchern ist diese «amuse bouche» etwas länger. Dort nennt man es Klappentext.

Richtig gute Leads und Klappentexte sind eine Kunst. Kurz, prägnant, reizvoll.

Ich mache ein Beispiel. Für die vier Sätze in meinem aktuellen «Fahrtenschreiber» habe ich ziemlich lange gebraucht. Mehrere Anläufe, Pausen, mehrere Runden mit dem Bus, neuer Anlauf … Die Sätze lauten: «Keine fröhliche Fussball-WM, kein heisses Bad, keine trockene Wäsche. Was für ein trister November! Dafür geht es mit der E-Mobilität vorwärts. Manchmal etwas zu rasant …» Damit wird auch der Titel «Die E-Velo-Geschosse» gestützt. Den ganzen Text findet Ihr hier: «Fahrtenschreiber».

Nun, die vier (sorry Facebook!) Sätze fassen also den Text zusammen und sollen den Appetit der Leser*innen anregen. Das sah offensichtlich auch die strenge Textchefin der BaZ so und winkte den Artikel durch.

Ich verrate Euch zudem: Ich habe extra den Artikel nochmals umgeschrieben, damit der Lead passt. Denn: Wenn man keinen guten Lead zu einem Artikel schreiben kann, ist die Geschichte nicht rund. Das ist eine Faustregel. Und ich darf sagen: sie stimmt.

So. Nun noch die wichtigsten drei Sätze zum heutigen Tag:

Euch allen einen frohen 1. Advent. Geniesst die Weihnachtszeit. Wünschen wir uns alle zusammen eine friedliche und glückliche Welt.

20. November 2022: Wölfe gesucht - Schnee gefunden

Ich war wieder einmal in Engelberg. Ich dachte, ich könnte die Wölfe besuchen. Und bin losmarschiert. Wie DIE REPORTERIN in meinem Buch «Wölfe» wanderte ich vom Horbis steil bergauf Richtung Alp Ober Zieblen.

Es sieht alles noch genau gleich aus. In meinem Buchtrailer zu den Wölfen könnt Ihr die Gegend anschauen: «Buchtrailer Wölfe».

Wölfe habe ich leider keine gesehen. Dafür hat es zu schneien angefangen. Einen Moment lang habe ich mich gefühlt wie Selma, die Reporterin, die bei ihrer Suche nach den Wölfen eingeschneit wird. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, den Schneefall zu beobachten und mitzuerleben, wie sich die Stimmung innert weniger Minuten ändert. Es wird nicht nur alles weiss, es wird auch still, die Gerüche ändern sich, es riecht nach Schnee. Obwohl Schnee ja nicht riecht. Aber die anderen Gerüche – Erde, Gras, Mist usw – werden irgendwie zugedeckt.

Unsere Hunde könnten das sicher bestens erklären. Sie waren völlig geflasht und wälzten sich die ganze Zeit im Schnee. Und hinterliessen ihre Spuren. Doch, doch, mit ein bisschen Phantasie habe ich damit immerhin Wolfsspuren entdeckt …

Die kleine Auszeit hat gutgetan. Ich habe natürlich auch an meinem Manuskript für den fünften Band der REPORTERIN-Reihe weitergearbeitet. Ich bin sehr strukturiert vorgegangen, was eigentlich nicht so mein Ding ist. Aber dieses Mal habe ich die Inputs und die Kritik meiner Erstleserinnen und Erstleser vorgängig aufgelistet und Punkt für Punkt abgearbeitet. Hatte ich einen Punkt erledigt, setzte ich auf meiner Liste ein Häkchen dahinter. Und je mehr Häkchen auf dem Blatt zu sehen waren, desto heiterer wurde meine Stimmung.

Das muss ich mir unbedingt merken. Ich schreibe ab sofort nur noch strukturiert. Bis dann meine Phantasie wieder mit mir durchgeht …

Nun muss ich einen gewissen Handlungsstrang noch kürzen (welchen verrate ich Euch vielleicht ein anderes Mal). Kürzen ist für jeden Autor, für jede Journalistin die Höchststrafe. Es ist leicht, fremde Texte zu kürzen. Aber die eigenen? Schwierig, schwierig. Denn jeder Satz, jede Formulierung ist doch sooo wichtig und dazu auch noch schlicht und ergreifend genial!

Da bin ich allerdings pragmatisch: Schnippschnapp und gut ist. Auch wenn möglicherweise ein Satz in die Tonne fliegt, der mir den Literaturnobelpreis beschert hätte.

Kleiner Spass. Ich werde also kürzen. Und dann kommen mir vielleicht noch neue Ideen, strecke den Text wieder und muss dann wieder kürzen.

Es gibt also noch viel zu tun …

Moment noch! Habe ich Euch eigentlich schon den Arbeitstitel verraten? Und wenn schon, ich erwähne ihn nochmals, weil er mir so gefällt: «Eismusik». Vielleicht ändert er sich noch und Eismusik landet in der Tonne. Aber ganz ehrlich – er ist schon verdammt gut, oder?

Kommen jetzt die eisigen Herbststürme? Ich liebe sie! Habt eine gute Woche.

13. November 2022: Im Gloon

Das Bild mag erstaunen. Nachdem ich mich in meiner neusten «Fahrtenschreiber»-Glosse als Zürcher geoutet habe, präsentiere ich mich heute als Gloon, als Clown. Ja, in meinem Herzen bin ich selbstverständlich Basler und bin Mitglied in einer Fasnachtsclique. Die Clique ist eine Guggenmusik und nennt sich Negro-Rhygass. In dieser Formation spiele ich Piccolo, ein sehr typisches Basler Fasnachtsinstrument, das in einer Gugge eigentlich nichts verloren hat. Aber die Negro-Rhygass ist eben ein bisschen anders. Die Negro ist eine ziemlich bekannte Formation. Nicht nur wegen dem integrierten Fife&Drum-Corps, sondern wegen ihrer Grösse und ihrem Auftreten. Und wegen dem Kostüm, dem Gloon.

Am 11.11. hat bekanntlich die fünfte Jahreszeit begonnen. Unser Auftritt als Glöön hatte damit aber nichts zu tun. In Basel ist uns der 11.11. schnurz. Dieses Datum findet fasnachtstechnisch nicht statt.
Der Grund für meine Verkleidung als Clown hatte mit einem Übungstag der Clique und einem abendlichen Auftritt bei einer anderen Clique zu tun.

Voilà, das war’s.

Nicht ganz. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie peinlich das ist, an einem Morgen, der in Basel nichts mit Fasnacht zu tun hat, im Goschdyym aus dem Haus zu gehen, mit dem Tram und dem Bus quer durch die Stadt zu fahren, um am Übungsort einzutreffen? Alle starren einen an. Ja, selbst in Basel!

Da dies auch vielen meiner werten Cliquenkollegen so ergeht, haben manche sich entschlossen, zivil anzureisen und das Fasnachtskostüm mitzunehmen. Diese hatten dann allerdings den Tenüstress, während ich meine Lippen in aller Ruhe ölen konnte …

Was würde meine Figur Selma, ebenfalls Fasnächtlerin, machen? Natürlich! Sie würde auch den ganzen Tag im Goschdyym verbringen …

Und der Berner Jonas Haberer würde es nicht fassen und sich über Selma und mich lustig machen: «Kindisches Kostümfest …»
Übrigens: Mit Haberer verbindet mich nicht nur, dass ich tatsächlich lange in Bern gelebt habe. Meine ursprüngliche Herkunft väterlicherseits  liegt nämlich im Kanton Bern: In Langnau im Emmental …

Ja, auch solche Kleinigkeiten beschäftigen einem manchmal im Leben. Ich finde das irgendwie wohltuend unwichtig.

Habt alle eine gute Woche!

6. November 2022: Welch schöne Serie!

Wenn ich meine vier Reporterin-Bände so schön auf einem Bild sehe – doch, das macht mich schon stolz. Drama – Liebe – Abenteuer! Mit Reporterin Selma und ihrer Familie und Freunden. Mich machen nicht nur die Geschichten stolz, sondern auch die Bücher selbst. Es sind wirklich schöne Bücher.

Und ich bin bereits gespannt auf das fünfte Buch. In welcher Farbe wird es wohl erscheinen? Hm? Wisst Ihr was? Wir rätseln zu gegebener Zeit (Frühling 2023) gemeinsam. Wir machen dann ein Quiz. Okay?

Ich habe eine ziemlich turbulente Woche hinter mir. In Basel ist Herbstmesse. Da sind wir Bus- und Tramfahrer*innen ziemlich am Anschlag. So viele Leute …

Und dann war ich noch im Appenzellerland bei meinem Verlag und hatte eine Lesung in Altstätten. Während ich an der Lesung vor allem das aktuelle Buch «Lebenslust» vorgestellt habe, besprach ich mit der Verlagsleiterin das Manuskript zum fünften Band.

Ich habe ja darüber berichtet, dass der fünfte Teil bereits vorliegt. In der 2. Fassung. Das ist jene Fassung, die man einigermassen präsentieren kann. Diese ging an die Erstleser*innen mit der Bitte, wie immer eine kritische Beurteilung abzugeben.

Diese Beurteilungen kamen auch. Ich will nicht zu viel verraten. Aber alle Erstleser*innen haben den fünften Band mehr oder weniger verschlungen. Unterhaltungswert und Spannung sind also okay. Allerdings ab es auch Kritik. Und viele Inputs. Ich habe mein Manus in der Zwischenzeit auch noch einmal gelesen und habe erhebliche Mängel in der Story festgestellt. Sie decken sich weitgehend mit den Anmerkungen der Erstleser*innen.

Mit Kritik umgehen ist so eine Sache. Gerade bei kreativen Arbeiten. Ich finde, Kritik muss man nicht nur aushalten, sondern sie auch annehmen und umsetzen können. Ich bin überzeugt, dass das Endprodukt dann deutlich besser wird.

Ich mag diesen «work in progress». Deshalb freue ich mich auf die Weiterarbeit an meinem Manuskript. Ich habe schon viele Ideen im Kopf!

Mal ehrlich: Findet Ihr nicht, dass «Die Reporterin» eine tolle Fernsehserie hergeben würde? Spannende Geschichten an den schönsten Schauplätzen der Schweiz? Ihr dürft gerne einem Fernsehsender einen Tipp geben. «Die Beschatter» von unserem guten, alten Schweizer Fernsehen … Welch Tristesse! Mit einigen wenigen lustigen Ansätzen.

Ihr seid anderer Meinung? Ihr dürft mir gerne schreiben.

Welch farbenfroher Herbst! Euch allen eine gute Woche!

30. Oktober 2022: Süsses Schreiben, saures Fahren?

Morgen Montag ist Halloween. Da gibt es Süsses oder Saures. Wie so oft im Leben. Und bei mir könnte es so aussehen, als wäre das Schreiben der süsse Teil und das Busfahren der saure Teil meines Berufslebens.
So ist es aber nicht.

Geschichten zu schreiben macht mir schon seit meiner späten Jugend Freude. Ich habe dann einen Umweg über den Journalismus gemacht, um schliesslich Romanautor zu werden. Von der Schreiberei zu leben ist für die meisten Schriftsteller*innen schwierig. Deshalb bin ich auch noch Bus-Chauffeur geworden. Das ist quasi mein Brotjob.

So könnte das in der Tat sein. Ist es aber nicht. Bei öffentlichen Auftritten erkläre ich das auch immer wieder gerne. Die Fahrerei ist nicht nur Geldverdienst, sondern macht mir auch wirklich Spass. Also nicht immer, aber ja – ich fahre gerne!

Es ist auch so, dass das Fahren vor dem Schreiben in meinem Leben eine wichtige Rolle eingenommen hat. Warum weiss ich auch nicht, aber das ist ja egal. Da waren natürlich zuerst die Postautos, auf die ich mich bei jeder Wanderung mit den Eltern gefreut habe. Dann erinnere mich sehr gerne an mein erstes Velo. Es war ein Kindervelo ohne Schaltung. Dieses bekam ich in Italien von meinen Eltern geschenkt. Wow, das war schon mal cool! Das zweite Velo bekam ich dann als Teenager. Das war ein richtiges Velo mit fünf Gängen. Die Erwähnung der Gänge ist wichtig. Denn ab da konnte ich schalten. Wie richtig halt. Also wie in einem Auto, Lastwagen oder Bus. Da hat die Sache mit der Fahrerei und dem Traum, grosse und schwere Fahrzeuge zu lenken, richtig Fahrt aufgenommen. Und ist mir bis heute geblieben.

Ich will die Fahrerei jetzt nicht höherstellen als sie ist. Aber: Es war nicht die Lust, Bücher zu schreiben, die mich vom Journalismus weggetrieben hat, sondern die Lust aufs Fahren. Ich habe mich noch einige Zeit dagegen gewehrt, wirklich ganz auf «den Bock» umzusatteln. Aber irgendwann hatte ich dann einfach zu viel Diesel im Blut und wurde Chauffeur.

Erst dann habe ich angefangen, Romane zu schreiben.

Und ich sage auch immer wieder: Selbst wenn ich so erfolgreich wäre wie Jo Nesbö – einer meiner Helden der Schriftstellerei – würde ich die Fahrerei nicht aufgeben. Ich würde schon noch Bus fahren. Vielleicht auch wieder schöne Reisen machen. Oder mit einem Superbrummi Waren transportieren. Gut, vielleicht nicht in einer 100-Prozent-Anstellung, aber schon regelmässig. Die Fahrerei inspiriert mich schliesslich auch …

Übrigens: Ich habe meinen Reporter-Job auch deswegen gemocht, weil ich viel unterwegs war, oft und weit fahren konnte. Mein Reporter-Auto war irgendwie auch mein Truck!

Eine tolle Kombination der Schreiberei und der Fahrerei ist natürlich meine Glosse «Fahrtenschreiber» in der Basler Zeitung. Obwohl ich dann bald meine 100ste Kolumne schreibe, staune ich immer noch, wie vielen Menschen diese Texte gefallen. Und wie viele mich fast jeden Tag darauf ansprechen. Das ist wirklich schön, dafür bin ich sehr dankbar.

Und schön ist natürlich auch, dass mein Tram-Kollege Eddie Wilde immer wieder so tolle Bilder dazu malt. Im nächsten Frühling gehen wir bekanntlich gemeinsam an den Start: Mit unserem Kinderbuch «Ruby».

Euch allen eine herbstliche Woche. Ich hoffe sehr, es wird endlich kälter!

23. Oktober 2022: Ach, die Medien!

Ach, die Medien! Ich gehörte viele Jahre selber dazu. Zuerst aber zu einem völlig unspektakulärem, für mich aber wichtigem Ereignis.

Ich war in St. Gallen an der OLMA. Die Buchhandlung Orell Füssli hat mich eingeladen, an ihrem Stand meine Bücher zu signieren. Beziehungsweise zuerst einmal zu verkaufen.

Nun wissen ja meine verehrten Leserinnen und Leser, dass ich nicht der geborene Verkäufer bin. Schon gar kein Marktschreier. Aber irgendwie war ich dann doch zweieinhalb Stunden am Plaudern und habe sogar etliche Bücher verkauft. In den Gesprächen habe ich bemerkt, dass mein Genre Abenteuer, Drama, Liebe, Bergroman, Heimatroman, Spannungsliteratur ganz gut ankommt. Und dass meine Bücher als Geschenk ideal sind: Anständige Bücher, schön gemacht, sehr unterhaltsam. Keine Gewaltorgien, keine langsam austretenden Augäpfel, keine detailliert beschriebenen Sexszenen, keine Fäkalien und auch keine politischen und moralischen Unkorrektheiten. Und all dies in einer Sprache, die man versteht.

Und ja: Für den Kultur- und Medienbetrieb zu brav, zu unspektakulär. Aber: Ich habe Freude daran, meine Leserinnen und Leser haben Freude daran. Alles gut.

Zwei Bücher sorgen dagegen derzeit im deutschsprachigen Raum für Furore: «Blutbuch» von Kim de L’Horizon, einem jungen Schweizer Literaten, und «Die vierte Gewalt» von Philosoph Richard David Precht und Soziologe Harald Welzer, beides Deutsche. Ein Roman und ein Sachbuch. Das Sachbuch habe ich gelesen, den Roman nicht. Ich liefere hier auch keine Rezensionen ab.

Mich beschäftigte eher die Frage: Warum gehen diese beiden Bücher medial durch die Decke?

Beim Roman «Blutbuch» natürlich vor allem deshalb, weil das Werk den deutschen Buchpreis gewann. Warum es diesen Preis gewann, wurde ausführlich erklärt. Mit viel Literatur-Gedöns. Voll okay. Interessant finde ich allerdings, dass es in diesem Buch um die Genderfrage geht. Und deshalb frage ich mich, ob nicht genau dies der Grund für die Auszeichnung sein könnte. Damit setzte die Jury einen politischen Anker, muss sich allerdings nicht in gefährliche Gewässer begeben. Wir alle sind schliesslich modern und überlassen jedem und jeder, ob er sich als Mann oder Frau oder Es oder was auch immer fühlt. In diesem Zusammenhang möchte ich noch darauf hinweisen, dass es Menschen gibt, die sich in Gegenstände verlieben können und auch eine sexuelle Beziehung zu diesen haben. Diese Menschen gehen in dieser Diskussion etwas vergessen. Oder nicht? Item. Die Genderfrage ist wichtig. Allerdings leistet sie keinen Beitrag zum Frieden und zur Rettung unseres Planeten.

Ganz anders «Die vierte Gewalt». Die beiden prominenten Intellektuellen, beliebte Gäste in allen Medien, erlauben sich, den Medien gewaltig an den Karren zu fahren. Kann natürlich sein, dass dies das Kalkül des Autorenduos Precht/Welzer war, um die Verkaufszahlen anzukurbeln. Denn die Medien zerreissen logischerweise das Buch und wehren sich vehement. Was verkaufsfördernd wirkt. Wie auch immer. In diesem Buch geht es – grob gesagt – um die Frage, warum in den Leitmedien seit geraumer Zeit eine freiwillige Gleichschaltung stattfindet. Sie erläutern dies vor allem am Ukrainekrieg. Man könnte auch noch die Pandemie und die generelle Lobpreisung der Impfung dazunehmen.

Ich will mich nicht aufspielen, Euch aber gerne sagen, was ich als angehender Journalist von meinen Ausbildnern vor über 30 Jahren gelernt habe: SEID IMMER KRITISCH! Lasst euch von niemandem beeinflussen und einlullen. Hinterfragt alles! Nur so seid ihr das, was ihr sein müsst: Die vierte Gewalt.
Na ja, im journalistischen Alltag war es dann natürlich nicht immer so dramatisch wie auf der Journalistenschule …

In diesem Sinn rufe ich Euch zu: Hinterfragt alles und bildet Euch Eure Meinung selbst. Ein Spaziergang in unserer prächtigen Natur kann dabei helfen.

16. Oktober 2022: Das Feuilleton heisst jetzt TikTok

Ein meeeega Trend ist an mir vorbeigegangen. Bis gestern. Gestern musste ich erfahren, dass das Feuilleton jetzt TikTok heisst.

Hä?

Der Reihe nach. Das Feuilleton war vor vielen Jahren mal der etwas abgehobene Kulturteil einer Zeitung. Der Begriff ist vom Aussterben bedroht. Der Kulturteil einer Zeitung heisst heute meistens einfach Kultur. Ist auch nicht mehr so abgehoben. Aber nach wie vor geht es in diesem Teil um Literatur, Theater, Film, Musik, um Ausstellungen und allerlei kulturelle Events.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich mich als junger Journalist niemals getraut hätte, die Damen und Herren der Kulturabteilung anzusprechen. Die mussten schliesslich nachdenken.
Aber die Zeiten ändern sich. Alles wandert ins Internet ab. Auch das Feuilleton. Und was die Literatur angeht: Die findet nun offenbar auf TikTok statt.

Hä?

Ist TikTok nicht der Sauglatt-Video-Kanal für Jugendliche und Berufs-Jugendliche? Jener Kanal, von dem selbst Jugendliche sagen: TU ES DIR NICHT AN!

Doch. TikTok gehört übrigens zu einem chinesischen Konzern und ist nicht ganz unbestritten. Zu sehen sind mehr oder weniger lustige Witz- und Tanz- und Gugus-Videos. Und Literaturtipps! Unter dem Hashtag BookTok findet man alles, was das Herz des Buchliebhabers erfreut. Oder so.

Ich habe das mal durchgesehen. Mehrheitlich zeigen einfach Jugendliche, was sie so lesen. Was sie halt meeeeega finden. Das finde ich super. Und weil ich es so super finde, habe ich auch so ein Videölchen gedreht. Hier ist es: #BookTok.
Oder gleich auf TikTok: #reporterin

Zugegeben: Ich mache mich ein bisschen lustig.
Kommen wir deshalb nun zum ernsthaften Teil. Die altehrwürdige Frankfurter Buchmesse (19. bis 23. Oktober) ist eine Kooperation mit TikTok eingegangen. Es gibt auch einen TikTok-Tag. Also einen #BookTok-Tag mit Bühnenauftritten von bekannten BookTokern und Autoren und weiss der Geier. Die Medienabteilung schreibt: „Wer neue Bücher und Genres entdecken möchte oder literarische Empfehlungen sucht, findet dazu auf TikTok vielfältige Inhalte. Die #BookTok-Community wächst seit Jahren kontinuierlich und begeistert global Millionen Nutzer*innen.“

Leute, ich habe meinen Buchtrailer auf TikTok hochgeladen und erreiche nun Millionen …

Wir wollen ernsthaft bleiben. Die Medienstelle der Frankfurter Buchmesse stellt TikTok auch noch grundsätzlich kurz vor: „TikTok ist die führende Plattform für mobile Kurzvideos. Erklärte Mission ist es, Menschen zu inspirieren und zu bereichern, indem ihnen eine kreative Heimat gegeben und ein authentisches, unterhaltsames und positives Erlebnis geboten wird.“

Die „kreative Heimat“ finde ich besonders meeeeega!

Natürlich sind auch Unternehmen auf TikTok. Und machen auf jugendlich. Ich habe mal unser gutes, altes Schweizer Fernsehen SRF gecheckt. Da erklären zwei jugendliche Menschen im Tik-Tok-Stil jeweils die Weltlage. Meeeega.

Leute, lasst gut sein. Für mich wirkt halt alles sehr gekünstelt. Es ist wohl der Versuch, junge Menschen für sich zu gewinnen. Ein Schrei: WIR SIND AUCH NOCH DA! Meeega! Das gleiche Medienunternehmen lässt derweil auf seinem linearen TV-Kanal für uns Alte am Samstagabend „Benissimo“ auferstehen …

Viel Spass auf TikTok wünsche ich Euch. Oder eben in der richtigen Welt!

9. Oktober 2022: Der Bücherchecker

Der Bücherchecker hat wieder zugeschlagen und mein neustes Buch «Lebenslust – Die Reporterin im Appenzellerland» gelesen und beurteilt. Hier die ganze Rezension: buechercheck.com

Ich hatte etwas den Bammel. Aber, uff, ich darf mich freuen! Auch Teil 4 kommt beim Bücherchecker sehr gut an. Da er an der Buchvernissage anwesend war, hat er meine Ausführungen in seinen Bericht einfliessen lassen. Zum Beispiel habe ich erzählt, dass es sehr schwierig ist, eine Verfolgungsjagd zu beschreiben. Was im Film toll wirkt, kann in einem Buch extrem langweilig sein. Der Bücherchecker meint: «Gut gelungen, Herr Autor.» Danke!

Also, der Artikel ist äusserst lesenswert. Wie der ganze Blog des Büchercheckers. Da müsst Ihr unbedingt mal reinschauen.

Ein anderer Leser fand «Lebenslust» zwar auch sehr spannend, sein Lieblingsbuch bleibt aber «Gipfelkuss». Da dieser Leser auch meine Thriller-Serie kennt, weiss er natürlich, wie ich ticke. Und dass ich mit «Lebenslust» wieder in mein altes Metier zurückgekehrt bin. Er schreibt: «Mit deinen neuen Büchern mit Selma, «der Reporterin», hast du dich in eine andere Klasse gehievt.» Wow! Das freut mich natürlich ausserordentlich. Und weiter: «Von den vier Selma-Büchern sticht für mich «Gipfelkuss» heraus. Wie habe ich mitgelitten beim Unglück auf dem Piz Bernina und dem Biancograt! Ich musste meine Augen trocknen.»

Liebe Freundinnen und Freunde, ich verrate es euch: Mir ging es genauso. Allerdings habe ich auch beim Schreiben der «Lebenslust» immer mal wieder Tränchen verdrückt – immerhin war ich drauf und dran, meine Lieblingsfigur Jonas Haberer sterben zu lassen …

Also: Absicht war es nicht, dass «Lebenslust» so viele Krimi-Elemente hat. Aber es kam halt irgendwie so, weil das Thema «ewiges Leben» natürlich schon sehr viele Geschäftsideen hervorrufen und kriminelle Energie freisetzen kann …

Und was wird DIE REPORTERIN Nummer 5? Ich will nicht zu viel verraten, aber ich glaube, es wird wieder ein echter Berg- und Abenteuerroman, Drama, was auch immer! Und ich glaube, ich werde Euch ziemlich überraschen …

Am Dienstag schicke ich das Manuskript an die Erstleser*innen. Dann werde ich bald wissen, ob der Daumen nach unten oder oben geht.

Uff. Jetzt habe ich schon wieder den Bammel 😉

Euch allen eine stressfreie Woche.

PS: Eine Leserin schreibt zu „Lebenslust“: «Für mich wieder ein Hammerbuch!» Sie freut sich auch über das Gedicht «John Maynard», aus dem ich zitiere. Sie erinnerte sich dabei an ihre Schulzeit. Machen wir doch alle, oder? Wollen wir es noch ein bisschen vertiefen? Hier habe ich die Ballade im Internet gefunden. Viel Spass: John Maynard.

 

2. Oktober 2022: Was für ein Erfolg!

«Schon die ersten drei ‹Reporterin›-Bücher haben mir gefallen», schreibt mir eine Leserin zwei Tage nach der Buch-Vernissage. «Aber ich gebe zu, ‹Lebenslust› wird immer herausstechen.»

Wow! Das freut mich natürlich. Und setzt mich auch ein bisschen unter Druck … Ich weiss nicht, ob ich immer besser werden kann. Ach was, ich mache einfach so weiter wie bisher: Ich gebe ja eh immer alles und schreibe so gut, spannend und unterhaltend wie möglich.

Die Buchvernissage am letzten Dienstag war einfach der Hammer. Ich habe Euch letzte Woche erzählt, wie nervös ich vor solchen Auftritten bin. Das war auch dieses Mal so: Ab Mittag hatte ich Bauchschmerzen. Ich bin mehr oder weniger nur noch sinnlos herumgetigert. Das wird wirklich immer schlimmer. Aber dann sassen in der Buchhandlung Orell Füssli plötzlich sooo viele Leute vor mir – einfach wunderschön! Das Team von Orell Füssli musste noch weitere Stühle besorgen. Wahnsinn: Die Gäste kamen von nah und fern. Ich bin jetzt noch gerührt. Und vor allem dankbar und demütig. VIELEN DANK AN ALLE!

Danke auch an Benjamin Schmid, der den Abend moderiert hat. Als Kommunikationschef der Basler Verkehrs-Betriebe ist er ein Profi. Wir beide haben gut harmoniert. Mir ging es immer besser. Und weil ich mittlerweile Stammgast bei Orell Füssli sein darf, fühlte ich mich irgendwann schon fast wie zu Hause.

Lektorin Susanna Schoch vom Verlagshaus Schwellbrunn brachte einen Appenzeller Biber mit. Dieser war verziert mit dem «Lebenslust»-Cover. Und Christoph Wyder, Filialleiter bei Orell Füssli, hatte Appenzeller Bier und Alpenbitter organisiert. Wenn ich ausgefallen wäre – der Abend wäre trotzdem ein Erflog geworden.

Und hier noch eine sehr treffende Zusammenfassung, die mein lieber Journalistenfreund Nik Niethammer auf Facebook gepostet hat:

„Wer nicht dabei war, hat das hier verpasst: einen launigen Moderator, einen bestens gelaunten Autor, ein Publikum, das sich weggeschmissen hat vor Lachen, drei spektakuläre Leseproben – und weiss jetzt das hier: «Mann über Bord» heisst gendergerecht neu «Mensch über Bord», Basel hat ein Problem mit Kistenvelos, Verfolgungsjagden zu Land und zu Wasser sind die Königsdisziplin der Schriftstellerei, ein neues Buch, was in Schweden spielt, ist angedacht, Selma ist möglicherweise bald guter Hoffnung – und als Autor muss man seine eigenen Bücher nicht zwingend selber lesen (aber mögen). Danke, lieber Phil, für diesen sehr netten Abend. Deine Freundinnen und Freunde aus Zürich!“

In diesem Sinn: Eine gute Woche!

Illustration: Eddie Wilde

25. September 2022: "Rampensau"

Habe ich es schon erwähnt? Ich mag öffentliche Auftritte nicht besonders. Aber nun ist es wieder soweit: Nächsten Dienstag, den 27. September wird um 19.30 Uhr in der Buchhandlung Orell Füssli in Basel mein neues Buch getauft.

Ich freue mich natürlich darauf, dass so viele Leser*innen kommen werden, Freunde und Bekannte. Ich fühle mich auch wirklich sehr geehrt! Aber wirklich gerne stehe ich nicht auf der Bühne. Oder nicht mehr. Erstens bin ich immer schrecklich aufgeregt. Und zweitens ist es mir ein bisschen peinlich.

Ich darf aber verraten, dass ich mich in der Buchhandlung Orell Füssli sehr wohl fühle, weil ich da praktisch zum Inventar gehöre. Zudem wird Benjamin Schmid von der BVB ebenfalls auf der Bühne sein und den Abend moderieren. Und von meinem Verlag kommt Susanna Schoch, die neue Lektorin. Sie bringt einen grossen Appenzeller Biber mit. Mmmh, den gibt es dann zum Apéro. Und Filialleiter Christoph Wyder steuert Appenzeller Bier und Appenzeller Kräuterschnaps hinzu. Danke, danke. Dann kann ich meinen Auftritt ja kurz halten, oder?

Ich weiss von Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die mögen Lesungen sehr, geniessen diese Auftritte. Andere absolvieren sie einfach als Marketing-Pflichtprogramm. Und wieder andere lehnen praktisch alle Engagements ab.

Lese-Touren sind heute für viele Autorinnen und Autoren eine wichtige Einnahmequelle. Ich mag lieber meine Bus-Touren … Ernsthaft: Früher war ich ganz gerne die «Rampensau», habe Theater gespielt, habe auch meine Lesungen als kleine Shows zelebriert. Aber irgendwie muss ich das nicht mehr haben. Ich mag meine Geschichten, schreibe sie gerne auf und freue mich sehr darüber, wenn sie meinen Leserinnen und Lesern gefallen.

Ob dies am Alter liegt? Oder an meinem Busfahrer-Job, in dem man schon genügend ausgestellt ist? Ganz ehrlich: Ich verstehe nicht, wie gewisse Künstler*innen, aber auch Politiker*innen einfach nicht aufhören können und bis ins hohe, sehr hohe Alter die Bühne, das Rampenlicht, den Auftritt suchen. Vielleicht werde ich auch so? Bitte nicht! Mein lieber Freund Jonas Haberer, der Held meiner Bücher, wird es zu verhindern wissen. Er wird mich in sein Stammlokal in der Berner Matte abschleppen und abfüllen …

Apropos «Rampensau»: In meinem neuen Manuskript geht es tatsächlich um eine «Rampensau»! Wir tauchen dann zusammen in die Welt des Schlagers … Aber nur kurz. DIE REPORTERIN Teil 5 wird wieder ein echtes Bergdrama!

Bis Dienstag – oder bis nächsten Sonntag!

 

 

 

 

 

18. September 2022: "Spannung über 283 Seiten"

Offensichtlich bin ich wieder im Thriller-, bzw. Krimigenre gelandet. Rezensent Peter Schibli schreibt: «Philipp Probst kennt die Zutaten für einen erfolgreichen Krimi. Diese lauten: Spannung, Unterhaltung, interessante Protagonisten, zwei bis drei «Story-Lines», attraktive Schauplätze, explosive Geheimnisse und ein überraschendes Finale. Wortgewaltig beschreibt der Autor die überraschende Ankunft des Vaters aus Schweden, das zweimalige Verschwinden der Wissenschaftlerin, eine Verfolgungsjagd auf dem Bodensee, die Explosionen in der Alphütte.» Und Peter Schibli kommt zum Schluss: «Spannung über 283 Seiten».

Die ganze Buchbesprechung findet Ihr hier.

Das freut mich natürlich sehr. Und ich wehre mich auch nicht mehr gegen das Krimigenre. Peter Schibli schreibt schliesslich: «Mit seinem vierten Reporterin-Roman belegt Autor Philip Probst, dass es für einen guten Krimi weder einen Mord noch ungeschickt agierende Fahnder noch morbide Exhumierungen braucht.»

Voilà. Vielen Dank!

Übrigens: In meiner neusten virtuellen Lesung, meinem zweiten Podcast zu «Lebenslust», wird es noch ganz und gar nicht kriminell: Jonas Haberer entschuldigt sich bei Selma. Und bestaunt ihre Füsse … Die Entschuldigung.

Noch etwas ganz anderes – hat aber auch mit dem Schreiben zu tun. Die Angst des Schriftstellers vor 3000 Zeichen. 3000 Zeichen ist jeweils die Länge meiner „Fahrtenschreiber“-Glosse. Habt Ihr die neuste schon gelesen? Hier ist sie: „Iischtige, bitte. Bloss wo?“

Ich habe gestern sehr viele positive Reaktionen darauf erhalten. Das freut mich sehr. Und ich muss sagen: Doch, sie gefällt mir auch, sie kommt recht locker daher. Aber jetzt verrate ich Euch mal etwas: Diese Glosse war ein totaler Murks! Einen solchen Kampf hatte ich lange nicht mehr.
Was ist passiert? Ich hatte eine tolle Idee. Es ging um Können und Nicht-Können und um Politik (ich verrate nicht mehr, vielleicht reift die Idee in mir ja weiter …). Ich habe dann auch einen Text geschrieben. Aber irgendwie ging die Sache einfach nicht auf, ich war unzufrieden. Dann habe ich angefangen, daran herumzubasteln. Hat nichts gebracht. Zweiter Versuch mit einer ähnlichen Idee. Verflixt nochmal! Ging auch nicht auf. Ich war immer noch unzufrieden. Langsam lief mir die Zeit davon.
In solchen Situationen gibt es noch genau zwei Möglichkeiten: Entweder einen dritten Versuch mit einer neuen Idee starten oder aber im „abgesicherten Modus“ eine handwerklich solide aber nicht wirklich originelle Glosse abliefern. Denn zwei gescheiterte Versuche noch irgendwie passend zu machen ist sinnlos.
Ich entschied mich, mit einer neuen Idee einen dritten Versuch zu starten. Und siehe da: passt!

Aufgeben ist keine Option.
Ich wünsche Euch einen guten Start in den Herbst. Ist kalt geworden. Musste gestern in meinem Bus die Heizung aufdrehen …

11. September 2022: Glücksmoment

Am Donnerstagabend kurz vor Mitternacht war es soweit: Ich habe den letzten Satz meines neuen Manuskriptes geschrieben. Der Arbeitstitel lautet: «Eismusik – Die Reporterin im Bavonatal».

Jetzt darf ich aber kein Durcheinander anrichten. Das Buch, das jetzt gerade herausgekommen ist, heisst «Lebenslust» und ist Teil 4 der Serie DIE REPORTERIN. «Eiszeit» wird dann Teil 5 sein und soll im Herbst 2023 erscheinen. Sofern sich der Wahnsinn dieser Welt einigermassen in Grenzen hält. Ja, wir leben in Zeiten, da ist es schwierig, noch irgendetwas zu planen …

Also: Ich persönlich bin schon im fünften Teil, meine geschätzten Leserinnen und Leser im vierten. Sie sind im wunderschönen Appenzellerland. Ich habe in dieser Geschichte einen Handlungsstrang angerissen, der offenbar vielen Leserinnen und Lesern Sorgen bereitet. Dies zeigen zumindest die ersten Reaktionen. Ich will nicht zu viel verraten, aber es geht um eine Figur, die sehr beliebt zu sein scheint. Im Appenzellerland geht es ihr nicht besonders gut. Und die Frage stellt sich tatsächlich: Wird die Figur im fünften Teil aus der Serie ausscheiden und uns verlassen?

Nun denn: Ich habe auf 231 Seiten mit mir gerungen, habe 61 368 Wörter verteilt auf 6984 Zeilen getippt. Alles in allem 383 833 Zeichen in den Laptop eingegeben. Und bin zu einer Entscheidung gelangt. Die Figur wird uns …

Ich wäre schön doof, wenn ich das nun verraten würde, oder?

Mit fiktiven Figuren ist es wie im richtigen Leben mit Menschen: Manche mag man sehr, andere auch, aber vielleicht nicht ganz so sehr. Aber alle verdienen Achtung und Respekt. Also gehe ich auch behutsam mit meinen Figuren um … Und wenn sich meine Leserinnen und Leser um eine Figur Sorgen machen, dann nehme ich das ernst. Spiele aber damit ein bisschen. Und schlage vielleicht dann doch ganz fies zu.

Muss mich gerade zusammenreissen, um nicht zu viel zu verraten.

Jedenfalls war es wieder einmal ein grosser Moment, das Manuskript zu beenden. Es ist vielleicht sogar der schönste Augenblick überhaupt. Das Buch ist zwar noch lange nicht fertiggeschrieben, es ist schliesslich bloss die erste Fassung. Aber es macht schon glücklich, die Hauptarbeit geschafft zu haben!

Glücksmomente in einer gewöhnlichen Septemberwoche wünsche ich auch Euch.

4. September 2022: Digtal oder analog?

Virtuell oder real? Digital oder analog? Diese Fragen stellen sich in unserem modernen Leben immer mehr. Bleiben wir zunächst ganz real.

Ich habe ja in meiner Fahrtenschreiber-Glosse bereits über die Ereignisse der letzten Woche berichtet: Im Fadenkreuz.

Hier im Blog liefere ich Euch noch das Bild des geplatzten Reifens nach.

Das Loch ist gar nicht so gross, oder? Aber der Knall war extrem. Und es entstand eine kleine schwarze Wolke. Da ich noch nie einen Reifenplatzer an einem Bus oder Lastwagen hatte, war ich mir wirklich zuerst unsicher, was da so geknallt hat. Eine Bombe konnte ich nicht sofort ausschliessen …

Da der Platzer an einem Zwillingsrad passierte, konnte ich noch vorsichtig in die Garage fahren. Denn hinter dem defekten Reifen gibt es gleich noch einen zweiten Pneu. Das ist bei allen schweren Fahrzeugen an der Antriebsachse üblich. Dieser zweite Reifen war noch intakt.

Solche Platzer passieren übrigens sehr selten. Ich bin auch an keinen Randstein gefahren. Und wenn schon: Reifen von Linienbussen sind auf der Aussenseite verstärkt. Nachträglich habe ich dann aber gesehen, dass der Reifen schon eine Vorgeschichte gehabt haben muss …

Aber zum Glück ist sonst nichts passiert!

Neben diesen aufregenden Erlebnissen kümmerte ich mich in den letzten Tagen um das Marketing für die «Lebenslust». Wie Ihr wisst, ist das nicht meine Lieblingsbeschäftigung. Und es gehört auch nicht zu meiner Kernkompetenz … Ich habe übrigens für die Einladung zur Buchvernissage am 27. September Flyer drucken lassen. Ja, ganz normale, altmodische Flyer auf Papier. Ich frage mich nämlich je länger je mehr, wie digital die Menschen wirklich sind. Wie und wo erreicht man die Leute?

Wenn ich eine fundierte Antwort liefern könnte, würde ich sehr schnell sehr reich. Ich jedenfalls habe je länger je mehr den Eindruck, dass über die digitalen Kanäle zwar sehr viele Menschen erreicht werden können, die Informationen vielleicht auch wahrgenommen werden, aber auch sehr schnell wieder in Vergessenheit geraten. Mir geht es ja auch so: Eine Einladung, eine Info, selbst eine Rechnung, die ich digital zugeschickt bekomme, nehme ich zwar wahr – vergesse sie aber ziemlich oft.

Interessant in diesem Zusammenhang ist auch, dass meine Fahrtenschreiber-Glosse vor allem deshalb so erfolgreich ist, weil sie nicht nur digital, sondern auch in der gedruckten Ausgabe der Basler Zeitung erscheint. Das bestätigen mir immer wieder viele Leute. Bei den Verlagsmanagern wird dies heute manchmal vergessen. Ich glaube sogar, dass auch junge Leute nach wie vor Freude an Print-Produkten haben. Bücher sind da das beste Beispiel: Der E-Book-Markt bleibt seit Jahren klein («Lebenslust» soll übrigens auch noch als E-Book erscheinen …)

Nun gut, ich habe also viele Flyer verschickt, die Post grosszügig unterstützt. Schauen wir mal …

Übrigens: Die beste Werbung ist nach wie vor die Mund-zu-Mund-Propaganda. Aber das wisst Ihr ja. Vielen Dank dafür.

Euch allen eine platzer- und patzerfreie Woche.

28. August 2022: Idiotenkultur

In meinem neusten Buch „Lebenslust“ tritt ein Appenzeller Männerchor auf (Seite 225). Die Männer tragen weiss-blau-karierte Hemden.

Das ist weder ein Knaller noch ein Skandal, es ist auch für die Geschichte nicht wichtig. Die Korrektorin machte hinter den weiss-blau-karierten Hemden ein Fragezeichen und schrieb: «Meinst du Edelweisshemden?»

Ha! Erwischt.
Ich habe beim Schreiben natürlich auch an diese Hemden gedacht, sie aber explizit nicht erwähnt. Ich wollte das Männerchörli einfach neutral halten.

Denn die Frage stellt sich in diesen Zeiten: Ist das Tragen eines Edelweisshemdes der Ausdruck einer Gesinnung? Freundinnen und Freunde, diese Diskussionen gab es doch schon. Ihr erinnert Euch: Es ging um Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung. Dann mischten sich Politiker*innen ein, wodurch die harmlosen Hemmli auch noch eingefärbt wurden, ja, sie wurden bekleckert und es blieben einige Flecken zurück. In welcher Farbe auch immer.

Wie viele Edelweisshemden habe ich gestern am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Pratteln gesehen? Tausende!

Wollen die Trägerinnen und Träger damit etwas ausdrücken?

Wenn mein Männerchörli statt weiss-blau-karierte Hemden Edelweisshemmli trägt, macht das einen Unterschied? Oder drücke ich dann diesem Männerchor bereits einen Stempel auf? Und wenn ja, welchen? 

Ich stellte in diesem Blog schon einmal die Frage: Darf ich als Mann eine Frauenfigur beschreiben? Nach den jüngsten Diskussionen um Winnetou, Geschichtsverleugnung und Geschichtstilgung, muss ich mir nun sogar die Frage stellen: Darf ich eine fiktive Story im Appenzellerland erzählen, auch wenn ich gar kein Appenzeller bin? Oder ist das bereits kulturelle oder geschichtliche Aneignung?

Halt, Freunde! Ich darf. Ich bin in St. Gallen geboren und habe meine ersten zwei Lebensjahre in Speicher AR verbracht. Uff, Glück gehabt.

Aber jetzt schreibe ich im aktuellen Manuskript eine Geschichte, die sich im Tessin abspielt …

Nicht, dass Ihr mich falsch versteht: Ich finde schon, dass wir sehr achtsam mit all diesen Themen umgehen sollen, dass Rassismus und Diskriminierung zu bekämpfen sind. Wir müssen einfach aufpassen, dass wir keine neuen Ausgrenzungen schaffen, eine Idiotenkultur fördern und dabei vergessen, dass wir uns für Frieden, Freiheit, Welternährung und ein Leben im Einklang mit der Natur kümmern sollten. Und dabei auch noch Freude haben dürfen.

Eine gute Woche wünsche ich Euch, ob mit oder ohne Edelweisshemden …